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Richtigstellung des Grundbuchs: Haftungsklausel auch nach 2025 möglich

2. Januar 2026: Ein Antrag auf Eintragung einer Haftungsklausel scheitert – das Grundbuchamt beruft sich auf die abgelaufene Frist. Die Begründung: Ein unsichtbarer Eigentumswechsel könnte die Frist zunichtemachen – obwohl das Grundbuch seit Jahren stillsteht.
Gemeinschaftsordnung, Grundbuchauszug und Wohnungsschlüssel auf einem Schreibtisch vor einem modernen Wohnhaus.
Die Richtigstellung des Grundbuchs ermöglicht die Eintragung von Haftungsklauseln auch nach dem Ende der gesetzlichen Übergangsfrist. Symbolfoto: KI

Zum vorliegenden Urteilstext springen: 1 W 103/26

Das Wichtigste im Überblick

  • Gericht: KG Berlin
  • Datum: 16.04.2026
  • Aktenzeichen: 1 W 103/26
  • Verfahren: Beschwerde gegen Grundbuchentscheidung
  • Rechtsbereiche: Wohnungseigentumsrecht, Grundbuchrecht
  • Streitwert: Nicht genannt
  • Revision zugelassen: Nicht genannt
  • Relevant für: Wohnungseigentümergemeinschaften, Verwalter, Grundbuchämter

Die Haftungsklausel kann auch nach dem 31.12.2025 ins Grundbuch, wenn kein Eigentumswechsel dazwischenliegt.
  • Die Übergangsregel sperrt die Richtigstellung nicht; sie wirkt nur materiell-rechtlich.
  • § 47 WEG greift nicht, weil das WEG diese Erwerberhaftung nicht selbst regelt.
  • Das Grundbuchamt muss keinen möglichen, nicht gebuchten Eigentumswechsel von sich aus suchen.
  • Hier fehlt noch der Nachweis der Verwalterstellung; deshalb folgt erst eine Zwischenverfügung.

Wann ist die Richtigstellung des Grundbuchs noch möglich?

Die nachträgliche ausdrückliche Eintragung einer Haftungsklausel gilt nach den Vorstellungen des Gesetzgebers als Richtigstellung des Grundbuchs. Eine solche Anpassung darf jedoch keine sachliche Änderung der eingetragenen Rechtslage bewirken. Sie ist rechtlich ausgeschlossen, wenn bereits ein Eigentumswechsel vollzogen und eingetragen oder ein Zuschlag in der Zwangsversteigerung erteilt wurde. Ein Zuschlag bedeutet konkret: Bei einer Versteigerung geht das Eigentum bereits mit der Entscheidung des Gerichts auf den Erwerber über, nicht erst mit der späteren Eintragung im Grundbuch.

Redaktionelle Leitsätze

  1. Die Übergangsfrist des § 48 Abs. 3 Satz 3 WEG bis zum 31. Dezember 2025 ist keine verfahrensrechtliche Ausschlussfrist; die nachträgliche Richtigstellung des Grundbuchs durch ausdrückliche Eintragung einer Haftungsklausel für Sondernachfolger bei Geldschulden kann daher auch nach dem Stichtag beantragt und vorgenommen werden, sofern die materiell-rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
  2. § 47 WEG als Auslegungsregel für vor dem 1. Dezember 2020 getroffene Vereinbarungen ist nicht anwendbar, wenn das Wohnungseigentumsgesetz selbst keine inhaltlich abweichende Regelung über die Haftung des Erwerbers für Geldschulden des Veräußerers gegenüber der Gemeinschaft der Wohnungseigentümer enthält; in diesem Fall steht § 47 WEG der Eintragungsfähigkeit einer entsprechenden Klausel aus der Gemeinschaftsordnung nicht entgegen.
  3. Das Grundbuchamt ist ohne konkrete Anhaltspunkte für einen noch nicht gebuchten Eigentumswechsel nicht verpflichtet, von Amts wegen nach solchen Vorgängen zu forschen; die bloße abstrakte Möglichkeit eines ungebuchten Eigentumsübergangs rechtfertigt die Zurückweisung eines Richtigstellungsantrags nicht.
Infografik: Der Stichtag 31.12.2025 für die Grundbuch-Richtigstellung von Haftungsklauseln ist keine Ausschlussfrist; Anträge sind auch danach zulässig.
Das KG Berlin stellt klar: Der Stichtag 31.12.2025 nach § 48 Abs. 3 WEG ist keine Ausschlussfrist. WEG-Verwalter können die Richtigstellung des Grundbuchs zur Eintragung einer Haftungsklausel für Sondernachfolger auch danach noch beantragen. Az. 1 W 103/26

Achtung Falle: Der Eigentumswechsel

Die Richtigstellung des Grundbuchs ist nur so lange möglich, wie kein neuer Eigentümer im Grundbuch eingetragen wurde. Sobald ein Eigentumswechsel vollzogen oder ein Zuschlag in der Zwangsversteigerung erteilt wurde, ist die nachträgliche Eintragung der Haftungsklausel rechtlich ausgeschlossen. Prüfen Sie daher vorab, ob in Ihrer Anlage aktuell Verkäufe kurz vor dem Abschluss stehen.

Daraus folgt, dass ein Sondernachfolger, der nach dem 1. Januar 2026 Wohnungs- oder Teileigentum erwirbt, an eine Haftungsklausel nicht gebunden ist, wenn sie im Zeitpunkt der Eigentumsumschreibung nicht ausdrücklich im Grundbuch eingetragen ist (Senat, Beschluss vom 10. März 2026 – 1 W 49/26). – so das Kammergericht Berlin

Ein Sondernachfolger ist dabei schlicht der neue Eigentümer, der die Wohnung durch Kauf oder Erbe von seinem Vorgänger übernimmt. Wie diese Vorgaben bei einem Jahreswechsel anzuwenden sind, musste das Kammergericht Berlin klären, nachdem eine Gemeinschaft der Wohnungseigentümer am 23. Dezember 2025 beantragt hatte, die Haftung von Sondernachfolgern für Geldschulden in das Grundbuch einzutragen. Das zuständige Grundbuchamt lehnte dieses Ansinnen ab, da das Register unrichtig werden könne, falls nach dem 1. Januar 2026 ein Eigentumswechsel stattgefunden habe, der noch nicht verbucht sei.

KG Berlin: Keine Amtsermittlungspflicht für das Grundbuchamt

Das Kammergericht Berlin (Az. 1 W 103/26) entschied am 16. April 2026 zugunsten der Eigentümergemeinschaft und hob den ablehnenden Beschluss auf. Die Richter stellten klar, dass das Grundbuchamt ohne konkrete Anhaltspunkte nicht von Amts wegen nach möglichen, noch ungebuchten Eigentumswechseln forschen muss.

Falls das Grundbuchamt Ihren Antrag mit dem pauschalen Hinweis auf mögliche, noch nicht verbuchte Eigentumswechsel ablehnt, sollten Sie unter Verweis auf dieses Urteil (Az. 1 W 103/26) Widerspruch einlegen. Das Amt darf die Eintragung nur verweigern, wenn ihm konkrete Anhaltspunkte für einen Verkauf vorliegen, nicht auf bloßen Verdacht hin.

Warum die Frist nach § 48 Abs. 3 WEG keine Ausschlussfrist ist

Die Regelung des § 48 Abs. 3 Satz 3 WEG dient der Sicherung der sogenannten Sukzessionswirkung während einer Übergangszeit bis zum 31. Dezember 2025. Diese Wirkung sorgt dafür, dass bestehende Regeln der Gemeinschaft automatisch auch für jeden neuen Käufer gelten. Diese Vorschrift hat nach juristischem Verständnis lediglich eine materiell-rechtliche Bedeutung – sie regelt also den Inhalt des Rechts, nicht den Ablauf des Verfahrens. Es handelt sich dabei nicht um eine verfahrensrechtliche Ausschlussfrist für Anträge, die beim Grundbuchamt eingereicht werden.

Die in § 48 Abs. 3 Satz 2 WEG bestimmte Übergangsfrist hat lediglich materiell-rechtliche Bedeutung. Sie ist dagegen keine verfahrensrechtliche Ausschlussfrist. Dies ergibt sich aus den Regelungszwecken der §§ 7 Abs. 3 Satz 1, 10 Abs. 3, 48 Abs. 3 Satz 2 WEG. – so das Kammergericht Berlin

Dass es sich hierbei um keine harte Frist handelt, zeigte sich an der anfänglichen Ablehnung durch das Amtsgericht Köpenick. Die Behörde hatte in ihrer Funktion als Grundbuchamt den Antrag der Eigentümergemeinschaft mit einem Beschluss vom 5. Januar 2026 zunächst zurückgewiesen, weil das Dokument erst am 2. Januar 2026 eingegangen sei. Das Kammergericht Berlin widersprach dieser Auffassung und betonte, dass die Richtigstellung grundsätzlich auch nach dem Stichtag beantragt werden kann.

Praxis-Hinweis: Kein Fristablauf für den Antrag

Der entscheidende Hebel dieses Urteils ist die Erkenntnis, dass der 31. Dezember 2025 keine Ausschlussfrist für Ihren Antrag darstellt. Zudem darf das Grundbuchamt Ihren Antrag nicht mit der bloßen Vermutung ablehnen, es könnte bereits ein noch nicht verbuchter Eigentumswechsel stattgefunden haben. Ohne konkrete Anhaltspunkte für einen Verkauf muss das Amt die Eintragung vornehmen, auch wenn der Antrag erst im neuen Jahr eingeht.

Wie die Haftung von Sondernachfolgern eingetragen wird

Vereinbarungen zwischen Wohnungseigentümern entfalten gemäß § 10 Abs. 3 Satz 1 WEG nur dann eine Wirkung gegen Sondernachfolger, wenn sie als Inhalt des Sondereigentums im Grundbuch vermerkt sind. Speziell die Haftung von Sondernachfolgern für Geldschulden muss nach § 7 Abs. 3 Satz 2 WEG ausdrücklich im Bestandsverzeichnis eingetragen werden. Das Bestandsverzeichnis ist der Teil des Grundbuchs, in dem die genauen Merkmale und Rechte der Immobilie aufgelistet sind. Für die rechtliche Bindung an eine solche Klausel ist entscheidend, ob zum Zeitpunkt des Eigentumserwerbs die materiell-rechtlichen Anforderungen erfüllt waren.

Die praktische Umsetzung dieser Eintragungspflichten führte in einer Berliner Wohnanlage zu Diskussionen über eine alte Gemeinschaftsordnung. In der Teilungserklärung der Anlage aus dem Jahr 2005 war festgelegt, dass Veräußerer und Erwerber gesamtschuldnerisch für rückständige Verpflichtungen, insbesondere für offenes Hausgeld, haften. Das bedeutet konkret: Die Gemeinschaft kann die gesamte Summe wahlweise vom Verkäufer oder vom Käufer einfordern. Die Beschwerdeführerin forderte die ausdrückliche Eintragung dieser in Teil 2 § 12.8 der Gemeinschaftsordnung verankerten Klausel. Das Gericht stellte fest, dass es für das Verhältnis der Eigentümer untereinander unerheblich ist, ob sich die Eintragungsvorschriften zu einem späteren Zeitpunkt ändern.

Prüfen Sie Ihre Gemeinschaftsordnung gezielt auf Klauseln zur Erwerberhaftung (z. B. „Käufer haftet gesamtschuldnerisch für Rückstände“). Finden Sie eine solche Regelung, veranlassen Sie umgehend die ausdrückliche Eintragung im Grundbuch. Nur durch diesen Vermerk im Bestandsverzeichnis stellen Sie sicher, dass die Haftung auch gegenüber künftigen Sondernachfolgern rechtlich bindend bleibt.

Warum § 47 WEG die Richtigstellung des Grundbuchs nicht hindert

Der § 47 WEG fungiert als Auslegungsregel für Vereinbarungen, die vor dem 1. Dezember 2020 getroffen wurden. Diese Vorschrift greift allerdings nur dann ein, wenn das Wohnungseigentumsgesetz für eine bestimmte Angelegenheit geänderte Vorschriften enthält. Das Gesetz selbst sieht jedoch keine Haftung des Erwerbers für Geldschulden des Veräußerers gegenüber der Eigentümergemeinschaft vor.

Die fehlerhafte Anwendung dieser Auslegungsregel war ein weiterer Grund für die anfängliche Ablehnung durch die Behörde. Das Grundbuchamt vertrat die Auffassung, die beantragte Richtigstellung sei wegen § 47 WEG rechtlich ausgeschlossen. Das Kammergericht widersprach dieser Ansicht deutlich, da der Anwendungsbereich des Paragrafen mangels einer gesetzlichen Haftungsregelung gar nicht eröffnet ist. Die Richter folgerten daraus, dass die Haftungsklausel in der Gemeinschaftsordnung eintragungsfähig bleibt und der Richtigstellung nicht im Wege steht.

Die Auslegungsregel in § 47 WEG kommt aber überhaupt erst zur Anwendung, sofern eine Angelegenheit sowohl rechtsgeschäftlich durch Vereinbarung im Sinne von § 10 Abs. 1 Satz 2 WEG als auch – inhaltlich abweichend – durch das geänderte Wohnungseigentumsgesetz geregelt worden sind. – so das Kammergericht Berlin

Warum die Grundbuchberichtigung einen aktuellen Verwalternachweis erfordert

Eine Richtigstellung im Grundbuch wird von den Behörden erst veranlasst, wenn die Organstellung des handelnden Verwalters zweifelsfrei nachgewiesen ist. Damit ist die rechtliche Befugnis des Verwalters gemeint, für die Eigentümergemeinschaft offiziell handeln zu dürfen. Dieser Nachweis erfolgt üblicherweise durch die Vorlage der Niederschrift über den Bestellungsbeschluss mit öffentlich beglaubigten Unterschriften gemäß § 24 Abs. 6 WEG. Fehlt ein solcher aktueller Beleg, hat das Grundbuchamt eine Zwischenverfügung zu erlassen, anstatt den Antrag sofort komplett zurückzuweisen. Eine Zwischenverfügung ist ein förmlicher Hinweis des Amtes, dass noch Unterlagen fehlen, bevor der Antrag endgültig bearbeitet werden kann.

Ein fehlender formaler Nachweis der Organstellung verhinderte bei diesem Streit die sofortige Änderung des Grundbuchs. Die Verwalterin der Eigentümergemeinschaft hatte den Antrag zwar gestellt, konnte ihre aktuelle Position gegenüber dem Amt jedoch nicht ausreichend belegen.

Veralteter Bestellungsbeschluss

Die in den Grundakten befindliche Niederschrift über den Bestellungsbeschluss vom 13. November 2018 wies eine Befristung der Bestellung aus, die bereits am 31. Dezember 2023 abgelaufen war. Das Kammergericht wies das Grundbuchamt daher an, eine Zwischenverfügung zum Nachweis der Verwalterbestellung zu erlassen, bevor die eigentliche Richtigstellung vollzogen wird.

Hausgeldrückstände auch nach 2025 rechtssicher absichern

Die Entscheidung des Kammergerichts Berlin stellt klar, dass die Frist des § 48 Abs. 3 WEG keine Ausschlussfrist ist. Für Sie bedeutet das: Sie können die Haftung von Sondernachfolgern auch nach dem Stichtag 31. Dezember 2025 noch rechtssicher in das Grundbuch eintragen lassen. Da das Urteil die Prüfpflichten der Grundbuchämter begrenzt, wird die Nacherfassung bestehender Klauseln erheblich erleichtert.

Werden Sie jetzt aktiv und lassen Sie Ihre Gemeinschaftsordnung prüfen. Beantragen Sie die Richtigstellung des Grundbuchs sofort, solange noch kein Eigentumswechsel vollzogen wurde, um die Gemeinschaft vor Zahlungsausfällen zu schützen. Achten Sie beim Antrag zwingend auf die Vorlage eines aktuellen, öffentlich beglaubigten Verwalternachweises, um Verzögerungen durch Zwischenverfügungen zu vermeiden.

Praxis-Hürde: Aktueller Verwalternachweis

In der Praxis scheitert die schnelle Eintragung oft an formalen Nachweisen. Sie müssen die aktuelle Bestellung des Verwalters zwingend durch eine öffentlich beglaubigte Niederschrift belegen. Ist die in den Grundakten hinterlegte Bestellung bereits zeitlich abgelaufen, wird das Amt den Antrag nicht sofort vollziehen, sondern eine Zwischenverfügung erlassen. Stellen Sie sicher, dass dem Grundbuchamt das Protokoll der aktuell gültigen Wiederbestellung vorliegt.


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Die rechtssichere Eintragung der Erwerberhaftung ist entscheidend, um die Eigentümergemeinschaft dauerhaft vor Zahlungsausfällen zu schützen. Unsere Rechtsanwälte prüfen Ihre Gemeinschaftsordnung auf eintragungsfähige Klauseln und unterstützen Sie bei der formal korrekten Antragstellung beim Grundbuchamt. So stellen Sie sicher, dass auch künftige Eigentümer für Rückstände haften und formale Hürden wie veraltete Verwalternachweise rechtzeitig überwunden werden.

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Experten Kommentar

Oft scheitert die Absicherung nicht am Gesetz, sondern an der Trägheit der Beteiligten. Bis die Unterschriften des Verwaltungsbeirats für den zwingend nötigen Verwalternachweis notariell beglaubigt sind, vergehen im echten Leben schnell mehrere Monate. Verkauft in genau dieser Wartezeit ein klammer Eigentümer seine Wohnung, ist das Geld für die Gemeinschaft meist unwiederbringlich verloren.

Ich rate dringend dazu, solche Formalien nicht erst bei akuten Hausgeldrückständen in der Anlage anzugehen. Betroffene Gemeinschaften fahren am besten, wenn sie die Beglaubigungen direkt nach der Verwalterwahl routinemäßig miterledigen. So liegt das Dokument griffbereit in der Schublade, wenn es beim Grundbuchamt plötzlich schnell gehen muss.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ich die Richtigstellung auch nach Ablauf der Frist am 31. Dezember 2025 beantragen?

JA. Die Richtigstellung des Grundbuchs kann auch nach dem 31. Dezember 2025 beantragt werden, da es sich bei dieser Frist nicht um eine verfahrensrechtliche Ausschlussfrist handelt. Die Frist dient lediglich der Sicherung der Sukzessionswirkung während einer Übergangszeit und sperrt die spätere Antragstellung beim zuständigen Grundbuchamt für die Wohnungseigentümergemeinschaft rechtlich nicht.

Gemäß § 48 Abs. 3 Satz 3 WEG hat die Regelung lediglich eine materiell-rechtliche Bedeutung für den Inhalt des Rechts und stellt keine verfahrensrechtliche Hürde für verspätete Anträge dar. Das Kammergericht Berlin stellte klar, dass das Grundbuchamt einen Antrag nicht allein wegen des Zeitablaufs oder der bloßen Vermutung eines noch nicht verbuchten Eigentumswechsels pauschal zurückweisen darf. Die Gemeinschaft kann somit auch nach dem Stichtag die ausdrückliche Eintragung einer Haftungsklausel verlangen, um die Bindung künftiger Erwerber an bestehende Geldschulden im Bestandsverzeichnis rechtssicher zu dokumentieren.

Die Möglichkeit zur Richtigstellung endet jedoch endgültig, sobald ein Eigentumswechsel bereits vollzogen und im Grundbuch eingetragen wurde oder ein wirksamer Zuschlag in einer Zwangsversteigerung der Immobilie erfolgt ist. In diesen Fällen schützt der öffentliche Glaube des Grundbuchs den lastenfreien Erwerb des Sondereigentums umfassend vor der nachträglichen Eintragung einer solchen Haftungsverpflichtung.


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Verliere ich den Haftungsanspruch, wenn der Kaufvertrag bereits beim Notar unterschrieben wurde?

NEIN, die bloße Unterzeichnung eines Kaufvertrages beim Notar führt noch nicht zum unmittelbaren Verlust des Haftungsanspruchs gegenüber einem künftigen Erwerber. Die Richtigstellung des Grundbuchs durch Eintragung der Haftungsklausel bleibt rechtlich möglich, solange der Eigentumswechsel noch nicht vollständig durch die Umschreibung im Grundbuch vollzogen wurde. Bis zu diesem formalen Akt gilt der Veräußerer weiterhin als rechtmäßiger Eigentümer der Wohnung.

Der notarielle Kaufvertrag stellt lediglich ein schuldrechtliches Verpflichtungsgeschäft dar, welches die dingliche Rechtslage an der Immobilie im Moment der Unterschrift noch nicht verändert. Erst mit der tatsächlichen Eintragung des Käufers in das Grundbuch geht das Eigentum nach den gesetzlichen Vorgaben auf den neuen Erwerber über. Da die Haftung für Geldschulden gemäß § 7 Abs. 3 Satz 2 WEG ausdrücklich im Bestandsverzeichnis vermerkt sein muss, ist das Zeitfenster zwischen Notartermin und Grundbuchvollzug für die Absicherung der Gemeinschaft entscheidend. Die Verwaltung sollte daher umgehend den Antrag auf Richtigstellung beim Grundbuchamt stellen, um die Bindungswirkung der Klausel für den neuen Eigentümer noch vor dessen Eintragung rechtssicher zu fixieren.

Eine wesentliche Ausnahme von dieser Regel besteht im Falle einer Zwangsversteigerung, da hier das Eigentum bereits mit dem gerichtlichen Zuschlagsbeschluss und nicht erst mit der späteren Grundbucheintragung übergeht. In dieser speziellen Konstellation endet die Möglichkeit zur nachträglichen Eintragung der Haftungsklausel somit deutlich früher als beim regulären Verkauf durch einen Notarvertrag.


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Muss ich dem Grundbuchamt zwingend eine aktuelle, öffentlich beglaubigte Verwalterbestellung vorlegen?

JA, für die Richtigstellung des Grundbuchs müssen Sie die aktuelle Verwalterbestellung zwingend durch eine öffentlich beglaubigte Niederschrift des Bestellungsbeschlusses nachweisen. Ohne diesen formalen Beleg der Organstellung darf das Grundbuchamt keine Eintragungen vornehmen und wird das Verfahren durch eine Zwischenverfügung stoppen.

Die gesetzliche Grundlage für diese strenge Anforderung findet sich in § 24 Abs. 6 WEG, der für den Nachweis der Verwalterbestellung gegenüber dem Grundbuchamt eine besondere Form vorschreibt. Das Grundbuchamt prüft die sogenannte Organstellung des Verwalters sehr genau, um sicherzustellen, dass die beantragende Person tatsächlich zur Vertretung der Eigentümergemeinschaft berechtigt ist. Eine einfache Kopie des Protokolls oder ein Beschluss ohne notariell beglaubigte Unterschriften genügt diesen formalen Anforderungen nicht und führt regelmäßig zur Beanstandung durch das Gericht.


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Wie wehre ich mich gegen die Ablehnung wegen eines vermuteten, noch ungebuchten Eigentumswechsels?

Gegen eine Ablehnung auf bloßen Verdacht sollten Sie unter Verweis auf das Urteil des KG Berlin (Az. 1 W 103/26) Widerspruch einlegen. Das Grundbuchamt darf die Eintragung nicht aufgrund der bloßen abstrakten Möglichkeit eines ungebuchten Eigentumswechsels verweigern. Ohne konkrete Beweise für einen Verkauf muss das Amt zwingend von der Richtigkeit des aktuellen Grundbuchstands ausgehen.

Die rechtliche Begründung liegt in der fehlenden Amtsermittlungspflicht des Grundbuchamtes für hypothetische Sachverhalte, die sich nicht unmittelbar aus den vorliegenden Akten ergeben. Nach der Rechtsprechung des Kammergerichts Berlin ist die Behörde nicht verpflichtet, ohne konkrete Anhaltspunkte für einen bereits erfolgten Eigentumsübergang nach ungebuchten Veräußerungsvorgängen zu forschen. Eine Ablehnung darf daher niemals auf einer reinen Vermutung basieren, da dies die Handlungsfähigkeit der Wohnungseigentümergemeinschaft unzulässig einschränken würde. Sie sollten das Amt explizit dazu auffordern, die Eintragung vorzunehmen, sofern keine gegenteiligen Beweise wie etwa eine bereits eingegangene Auflassungsvormerkung tatsächlich aktenkundig sind.

Die Grenze dieser Argumentation ist erreicht, wenn dem Grundbuchamt bereits konkrete Unterlagen über einen Verkauf vorliegen, wie etwa ein Antrag auf Eintragung einer Auflassungsvormerkung. In diesem Fall ist der Verdacht nicht mehr abstrakt, sondern durch Tatsachen belegt.


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Sollten wir den Verwalternachweis vorsorglich beglaubigen lassen, um bei Verkäufen sofort handlungsfähig zu sein?

JA, eine vorsorgliche Beglaubigung des Verwalternachweises ist dringend zu empfehlen, um die sofortige Handlungsfähigkeit der Wohnungseigentümergemeinschaft bei Grundbuchanträgen sicherzustellen. Durch diese proaktive Maßnahme vermeiden Sie zeitintensive Zwischenverfügungen des Grundbuchamts, die den Erfolg einer notwendigen Richtigstellung gefährden könnten.

Das Grundbuchamt prüft bei jedem Antrag die aktuelle Organstellung des Verwalters, welche gemäß § 24 Abs. 6 WEG durch eine öffentlich beglaubigte Niederschrift des Bestellungsbeschlusses nachzuweisen ist. Liegt dem Amt lediglich ein veraltetes Protokoll vor, unterbricht das Gericht das Verfahren durch eine förmliche Zwischenverfügung zur Nachforderung der Unterlagen, was regelmäßig zu Verzögerungen von mehreren Wochen führt. Ein bereits beglaubigter Nachweis fungiert hierbei als notwendige Versicherung, um Anträge wie die Eintragung einer Haftungsklausel ohne vermeidbare Rückfragen sofort zur Erledigung zu bringen.

Diese Vorsorge ist essenziell, da eine Richtigstellung des Grundbuchs rechtlich ausgeschlossen ist, sobald ein Eigentumswechsel vollzogen wurde und die Gemeinschaft ohne sofortige Handlungsfähigkeit die Chance zur dauerhaften Absicherung ihrer Ansprüche verliert.


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Wenn Sie einen ähnlichen Fall haben und konkrete Fragen oder Anliegen klären möchten, kontaktieren Sie uns bitte für eine individuelle Prüfung Ihrer Situation und der aktuellen Rechtslage.


Das vorliegende Urteil


Az.: 1 W 103/26 – Beschluss vom 16.04.2026




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